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Nach 1945 war der Schock über die NS-Euthanasieverbrechen in der medizinischen Fachwelt groß. Nach formalen Distanzierungen kehrte man in den anderen Ländern aber zum "business as usual" zurück. So liefen in den USA die entsprechenden eugenischen Forschungsprogramme weiter, die hier in den 1950er Jahren vor allem mit dem Ziel betrieben wurden, die "Minderwertigkeit" der amerikanischen Schwarzen nachzuweisen.

 

Ein Paradigmenwechsel in der eugenischen Forschung zeichnete sich mit der Entdeckung der DNA durch Crick und Watson 1952 ab. Nun schien der direkte Eingriff in die menschliche Keimbahn, das Ziel der Eugeniker, in greifbare Nähe gerückt. Es sollte aber noch gut zwei Jahrzehnte dauern, bis der Paradigmenwechsel von der Eugenik zur Humangenetik auch in der Praxis wirksam wurde. Die Entwicklung pränataler Testmethoden für Krankheiten und Behinderungen des Ungeborenen, die Verfeinerung der Fortpflanzungstechniken bis hin zur Befruchtung von Eizellen außerhalb des Mutterleibs waren Meilenstein auf diesem Weg. Ein Paradigmenwechsel fand auch auf der Ebene der Lenkungsmaßnahmen statt: staatliche Zwangsmaßnahmen wurden verworfen und die Entscheidung über Abtreibung eines behinderten Embryos auf die individuelle Ebene verlagert.

 

Ambivalenzen und schwierige, vielschichtige ethische Beurteilungen finden sich auch in anderen Bereichen der modernen Biowissenschaften. Nicht nur den Lebensanfang, sondern auch das Lebensende betreffend, rühren aktuelle gesellschaftliche und medizinische Entwicklungen an grundlegende, existenzielle moralische Werte und lösen – mitunter sehr emotionale und hitzige – Diskussionen aus; Stichworte: Recht auf selbstbestimmtes Sterben, ärztlich assistierter Suizid, Sterbehilfe. Auch in anderen medizinischen Fragen gilt es, schwierige ethische Fragen und Dilemmata über die gesellschaftliche Diskussion zu einem Konsens zu führen und in verbindliche rechtliche Normen zu gießen. Als Beispiel sei hier die Transplantationsmedizin und im speziellen das Hirntodkriterium genannt. 

 


 

Foto: Clipboards mit Daten von Meilensteinen in der Biomedizin in einer Laborumgebung