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Konzept

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Foto: Von unten beleuchtetes Geviert aus Stahlpanelen am ehemaligen Ankunftsort, Aufnahme bei Nacht.

Gaskammer, Technikraum, Leichenraum und Krematoriumsraum bilden den Ort der nationalsozialistischen Massentötungen. Allerdings erschließt sich die Geschichte dieses Ortes nicht von selbst. Dafür ist die Verwischung der Spuren durch die nationalsozialistischen Rückbaumaßnahmen der Jahreswende 1944/45 verantwortlich. Alle Tötungseinrichtungen wurden beseitigt, sodass bei oberflächlicher Betrachtung nichts mehr auf die Geschichte der Jahre 1940 bis 1944 hinweist.

Die Räume mussten daher auf diese ihre Geschichte befragt werden. Erst wenn die Spuren des Geschehens gefunden, gesichert und gedeutet werden, können sie von den Besuchern auch „gelesen“ werden.   In diesem Sinn wurden die Spuren der NS-Euthanasie in diesen Räumen behandelt: zugemauerte Türen, die Spuren des Gasrohrs, der Abdruck der abgeschlagenen Fliesen im Fliesenbett wurden freigelegt und benannt. Die einschneidende Maßnahme besteht aber in einem Schnitt durch die Tötungsräume, der die Anordnung der mechanisierten Tötungsstrecke sichtbar macht. Durch den Schnitt führt ein Steg, der den Weg der Besucher vorgibt. Die Tötungsräume können durchschritten, aber nicht betreten werden. Aus dieser Distanz heraus entscheidet jeder Besucher selbst, wie nahe er das historische Geschehen an sich heranlässt.

 

Künstlerisches Konzept Ort des Geschehens – Ort der Erinnerung Zur Neugestaltung der Euthanasie-Gedenkstätte im Schloss Hartheim

Die Herausforderung „Herbert Friedls Blätter leisten Widerstand gegen die erfolgreiche Strategie des Vergessen“’, hat Gottfried Bachl 1986 zu meinem Zyklus „Auch Dinge haben ihre Tränen“ geschrieben. Genau darum geht es mir: Ich engagiere mich in meinem bildnerischen Schaffen für die Würde des Menschen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten suche ich nach Möglichkeiten, wie ich Schmerz, Leid und Tod, vor allem aber den Verletzungen der Menschenrechte mit bildnerischen Mitteln gerecht werden könnte. Dennoch stellen sich mir immer wieder die gleichen Fragen, wenn menschliches Leid zum Inhalt künstlerischer Gestaltung wird.

„Ist die Überführung des Leidens in den Zustand der Genießbarkeit ein unaufhaltsamer Vorgang?“ ... „Ist die Kunst ein Instrument zur Verwandlung des Schmerzes in gehobene Unterhaltung?“ ... „Kann demnach nicht das grauenhafteste Geschehen einmal unterhaltsam werden?“ fragt Gottfried Bachl

„Ist bildnerisches Gestalten ein geeignetes Instrument, dem entgegenzuwirken?“ Ich bin überzeugt, dass es möglich ist und versuche es am Beispiel der Neugestaltung der Gedenkstätte im Schloss Hartheim zu erläutern.

Widerstand gegen das Vergessen Mein wichtigstes Anliegen ist es, einen Erinnerungsprozess in Gang zu halten. Dies bedingt das Schaffen einer neuen Wirklichkeit, die in Distanz zum historisch-realen Geschehen steht. Darauf habe ich mein Gestaltungskonzept aufgebaut. Ziel ist nicht die Rekonstruktion dieser Einrichtungen und Ereignisse oder gar deren Inszenierung, sondern mittels einer abstrahierten Gestaltung Geschehnisse ins Gedächtnis zurückzurufen.

Präsenz durch Leere Die Gedenkräume präsentieren sich dem Besucher nicht als dreiste, sentimentale, schmerzvoll befangene Denkmalstätte, sondern als „Leere“, die ein wichtiges Element meines Konzeptes ist. Dadurch wird den noch vorhandenen, originalen Spuren ihre Stärke ermöglicht.

Irritationen erinnern Darüber hinaus setze ich der Harmonie und Schönheit des Schlosses „Irritationen“, „Störungen“ entgegen, die unaufdringlich auf die tragischen Geschehnisse verweisen.

Die Gestaltung Die verwendeten Materialien im Gedenkbereich beschränken sich auf Stahl – verweist auf das Geschehen, Glas – steht für die Opfer und Licht –folgt dem Weg des Leidens.  Bei der Besichtigung folgt der Betrachter im Wesentlichen dem letzten Weg der Opfer. Bereits von außen sind die Räume des Geschehens markiert – einerseits durch Fensterläden aus Stahl, andererseits durch Stahlpaneele, die den ehemaligen Platz der Garage umschließen. Eingefügt ist ein Glaselement auf dem die Herkunftsorte der Opfer aufscheinen.  

Hier entstiegen die Betroffenen den Bussen. Der Gedenkbereich wird durch eine Glastür betreten. Eine Lichtspur führt vom Ort der Ankunft die nördliche und östliche Arkade entlang zum Meditationsraum, eine weitere führt durch die Gedenkräume. Der Arkadengang wurde, in Anlehnung an den einstmaligen Holzverschlag, mit Stahlpaneelen versehen. Im äußerst linken Teil sind diese als Strich– bzw. Zahlencodierung ausgeführt (1940 – Beginn der Euthanasie). Durch den Aufnahmeraum, die Gaskammer, den Gasflaschenraum, Leichenraum und das Krematorium gelangt der Besucher über einen Steg. Ein gehobener Grabungsblock mit Utensilien der Opfer ist im Aufnahmeraum zu besichtigen, er verdeutlicht die Dramatik des Hier-Geschehenen. Dieser Block wird von Glaspaneelen an den Wänden umgeben, an denen die Namen der Opfer aufgelistet sind. Jene Stelle, an der das Gas zugeleitet wurde, ist mit einem Lichtelement gekennzeichnet. Ein stilles Zeichen des Erinnerns findet sich im Krematorium – der Platz der Verbrennungsöfen wird von der Decke exakt ausgeleuchtet – Licht statt Feuer. Der Meditation– oder interkonfessionelle Andachtsraum wird durch eine Glastür auf den südöstlichen Turmerker zu betreten. Dort endet der Weg durch die Gedenkstätte.

Herbert Friedl

 

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